Mathias Kneissl

 Der echte Mathias Kneißl vor seiner Exekution 

Anfang 1902

Holzschnitt von Marlene Reidel 1963 (www.marleneundkarlreidel.de) aus einer Reihe von 55 Holzschnitten zum Leben und Sterben des Räubers Mathias Kneißl

Ein Theaterstück nach wahren Begebenheiten

Textfassung und Regie: Chiara Nassauer

 

Das Jahr 1902, in der „guten, alten“ Prinzregentenzeit: In einer Augsburger Gefängniszelle erwartet Mathias Kneissl mit nicht einmal dreißig Jahren seine Hinrichtung. Wegen Mordes ist er in einem fragwürdigen Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt worden – eine Legende ist er aber schon jetzt. Hineingeboren in eine Familie, die sich mit stehlen, wildern und hehlen durchbrachte, aufgewachsen in einer Mühle, die zum Unterschlupf für manche zwielichtige Gestalt wurde. Man lässt ihn spüren, woher er kommt: In der Schule wird er als „Zuchthauspflanze“ charakterisiert, ohne eine Chance, seiner Rolle zu entkommen. Nach einem missglückten Raubzug stirbt der Vater im Polizeigewahrsam, die Mutter landet im Gefängnis. Mathias ist mit gerade einmal 17 Jahren alleine für seine Geschwister verantwortlich, darunter seinen jähzornigen Bruder Alois und die zurückhaltende Schwester Katharina – von Hilfe seitens der Obrigkeit keine Spur. Dann schießt Alois eines Tages auf zwei Gendarmen, und es kommt, wie es von seinen Lehrern höhnisch prophezeit wurde: Mathias landet als Komplize im Zuchthaus. Nach seiner Entlassung will er es mit ehrlicher Arbeit versuchen, aber als „Zuchthäusler“ wird er überall misstrauisch beäugt und abgelehnt. So wird er zum berüchtigten „Räuber Kneissl“: Einem Einzelkämpfer, der es mit der ge-

ballten Staatsmacht aufnimmt und ihr durch seine Dreistigkeit immer wieder entschlüpft. Die ländliche Bevölkerung stellt sich nun gerne auf die Seite dieses Außenseiters, dem die Gesellschaft nie eine Chance gegeben hat – und der sich diese Chance notfalls mit Gewalt nehmen will. Nur so lange soll das Rauben und Stehlen gehen, bis er das Geld zusammen hat, um nach Amerika zu gehen, zusammen mit seiner Geliebten Mathilde. Doch Mathias ahnt bereits, dass ihm sein Schicksal auf den Fersen ist...

Wie schnell kann jemand auf die schiefe Bahn geraten? Wie wird jemand zum Verbrecher – oder wie wird er dazu gemacht? Kann man „böse geboren werden? Und wieentscheidet die Gesellschaft, wer ein Übeltäter und wer ein Volksheld wird?

Das Freie Theater Murnau nähert sich der Geschichte des „Schachenmüller-Hiasl“ aus einer ganz eigenen Perspektive und erzählt sein bewegtes Leben als dramatischen und hochspannenden „Alpen-Western“.