Johanna oder die Erfindung der Nation

 

 

Der Regisseur Jonas Meyer-Wegener zur Inszenierung

 

Nach Liliom und Andreas Vöst war es mal wieder an der Zeit für eine starke Titelheldin. Schon in der Vergangenheit hat sich das Freie Theater Murnau mit historischen Frauenfiguren wie Sophie Scholl in "Die Weise Rose" oder Walburga Stromminger in "Die Geierwally" beschäftigt. 

Über einen Parisaufenthalt wurde ich auf den Jeanne D´Arc-Mythos aufmerksam, der in Frankreich bis heute die politischen Lager bewegt.

In diesem Zusammenhang stießen wir schließlich auf die hochaktuelle Adaption von Felix Mitterer. Aufgrund seiner Komplexität stellt Mitterers Stück einen hohen Anspruch an die Spieler und an das Publikum dar. Im Mittelpunkt seines verschachtelten Dramas stehen Themen wie Nationalismus, psychische Erkrankungen und die Lebensgeschichte der „historischen“ Johanna von Orléans. Um uns die Handlung besser verständlich zu machen, haben wir, ähnlich wie bei "Liliom", die Rolle der Johanna auf zwei Darstellerinnen verteilt.

Ähnlich wie Ödön von Horváth in seinem Roman "Ein Kind unserer Zeit" versucht Mitterer den Weg eines jungen Menschen nachzuvollziehen, der sich einer nationalistischen Gruppierung anschließt. Hinzu kommt, dass die Protagonistin offensichtlich unter einer schizophrenen Psychose leidet, deren Krankheitsverlauf Mitterer auf das genaueste nachzeichnet. 

Ein weiterer Schritt zu einer besseren Verständlichkeit war der Ansatz, die unterschiedlichen Zeitebenen klarer voneinander abzugrenzen. Dies spiegelt sich auch im Bühnenbild wieder. Durch eine Art vierte Wand, die auch als Bildschirm/Projektionsfläche funktioniert, werden die Ebenen „Jetztzeit“ und „Mittelalter“ klar voneinander getrennt.

Besonders spannend empfinde ich außerdem die Möglichkeit, an so einem ungewöhnlichen Schauplatz zu spielen und danke dem Restaurant „Zum Murnau“ für seine Unterstützung. Das Kellergewölbe, das früher als Eiskeller genutzt wurde, passt atmosphärisch hervorragend zum Stück.

Wie schon im Vorjahr habe ich mich sehr über die Anfrage des Freien Theaters Murnau gefreut. Außerdem bin ich sehr dankbar, dass uns Thomas Unruh wieder seine unergründlichen Soundarchive zur Verfügung stellt.