Der Prozess

Spielort

Textquellen: Marktarchiv Murnau Dr. Marion Hruschka, Ernst Krönner,  Jahrbuch 2005 Historischer Verein

Fotos Barbara-Keller: oben ©unbekannt unten ©Schloßmuseum Murnau, Bildarchiv

An der Stelle, an der sich heute das Restaurant "Zum Murnauer" befindet, stand ursprüng-

lich ein 1824 errichtetes Bräuhaus. Unter dem Schutz hoher Bäume ließ es Emeran Kottmüller senior bauen, der 1821 in die Murnauer Pantlbräu-Familie eingeheiratet hatte. Dieses Gebäude, 1825 noch erweitert durch den Sommerkeller, besaß auch Stallungen mit Pferde- und Rindviehhaltung. Sommerkeller dienten durchaus auch geselligen Veranstal-

tungen mit Kegelbahn, Musik und mitgebrachten Brotzeiten. Kottmüller starb allerdings kurz nach der Errichtung dieser stattlichen Gebäude im Jahre 1828. Von dem ursprünglichen Anwesen ist heute nichts mehr zu sehen, aber die zwei großen Kellergewölbe sind erhalten geblieben.

Die Gewölbe dienten ursprünglich als Fasslager und Schäfflerwerkstatt, später auch als Sommerkeller für Bier. Der gleichnamige Sohn Emeran Kottmüller (1825-1905), Bierbrauer und Reichstagsabgeordneter, erneuerte zusammen mit seiner Ehefrau Crescentia, Post-

halterstochter aus Sauerlach 1857 das Anwesen. Zwei Steintafeln an dem ehemaligen Gebäude trugen die Inschriften "Emmeran Kottmüller, Bandlbräu anno 1822 erbaut, E. K." und "Erweitert von Emmeran und Crescentia Kottmüller im Jahr 1857". Diese zweite Stein-

tafel befindet sich im Marktarchiv der Gemeinde Murnau. Auf Anregung von Emmeran Kottmüller junior, der zu den Gründungsmitgliedern des noch heute aktiven Verschö-

nerungsvereins gehörte, wurden zwischen 1870 und 1880 140 Eichen als Allee gepflanzt, die nach seinem Tod im Jahre 1906 von Endl-Allee in Kottmüllerallee umbenannt wurde. Das Haus erhielt seinen späteren Namen "Barbara-Keller" nach dem Bau der Kemmelkaserne − St. Barbara ist die Schutzpatronin der Artilleristen, deren Abteilung als erste Einheit 1938 in die Kaserne einzog. 

Einer der mittlerweile fast zweihundert Jahre alten Gewölbekeller ist noch nahezu im ursprünglichen Zustand. 2018 haben wir die Räumlichkeiten für unsere Produktion "Johanna oder die Erfindung der Nation" von Felix Mitterer entdeckt und erstmals mit großem Aufwand für eine Theaterproduktion hergerichtet. Die einmalige und dichte Atmosphäre im Gewölbe trug zum großen Erfolg der Produktion mit bei, sodass wir 2019 beschlossen haben, "Der Prozess" von Franz Kafka auch dort aufzuführen.

 

Ein besonderer Dank gilt Inhaberin Ingeborg Pohl und Pächter Benjamin Schmitz vom Restaurant Murnauer, die den besonderen Ort sowohl für die Aufführungen als auch für die Proben zur Verfügung stellen.

 

Gedenktafel zur Erinnerung an die Erweiterung des Barbara-Kellers durch Emmeran Kottmüller,

Marktarchiv Murnau, Fotos links und unten: Susanne Karrasch