Jean-Baptiste Poquelin

„Ein gelehrter Dummkopf ist ein größerer Dummkopf als ein unwissender Dummkopf.“ 

Molière, 1622-1673  

 

In gut bürgerlichen Verhältnissen wurde Molière vor genau 400 Jahren als Jean-Baptiste Poquelin in Frankreich geboren, der in seinem Werk immer wieder die Gepflogenheiten der Bourgeoisie des absolutistischen Frankreichs in Frage stellte und verspottete. Zusammen mit Corneille und Racine zählt er zu den berühmtesten Dramatikern des französischen Klassik.

Molières Vater, der königlicher Hoftapezierer war, ermöglichte seinem Sohn eine jesuitische Ausbildung und ein anschließendes Jurastudium an der Universität von Orléans. Seine Liebe zum Theater sowie zur Schauspielerin Madelaine Béjart ließ Molière seine Anstellung als königlicher Kammerdiener aufgeben. Gemeinsam mit Madelaine gründete er eine Schauspielgruppe: das Illustre Théâtre, welches für den jungen Impresario im Schuldturm endete. Nach seiner Entlassung zog er mit der Schauspieltruppe zwölf Jahre durch das Land. Die Erfolge dieser Zeit führten dazu, dass das Ensemble privilegierte Truppe des Herzogs von Orléans wurde.  

1662 heiratete der 40-jährige Molière die halb so alte Armande Béjarts. Sie war eine Tochter Madelaine Béjarts aus einer früheren Beziehung. Böse Zungen einer konkurrierenden Theatertruppe setzten das Gerücht in die Welt, die junge Armande sei eigentlich die Tochter Molières, worüber sich dieser beim König höchstselbst beklagte und erfolgreich zur Wehr setzte. Seine Ehe verlief allerdings nicht wie erhofft. Unter anderem in dem Stück „Der Menschenfeind“ aus dem Jahr 1666 kann der Leser oder Zuschauer autobiographische Elemente und die Tiefe Verzweiflung Molières seit seiner Eheschließung erkennen: „Alle Menschen sind mir in solchem Maße verhasst, dass es mich ärgern würde, wenn ich in ihren Augen weise wäre.“ Trotz des privaten Unglücks konnte Jean-Baptiste Poquelin mit seinem Theater große Erfolge verbuchen. Ludwig XIV. wurde auf den Komödiendichter, Direktor und Schauspieler aufmerksam,  ernannte  die  Schauspielgruppe zur Troupe du Roi und übertrug Molière das Théâtre du Palais Royal, das bis heute den Ehrennamen La Maison de Molière (Molières Haus) trägt. 

„Beim Schreiben ist es wie bei der Prostitution. Zuerst macht man es aus Liebe, dann für ein paar Freunde und schließlich für Geld.“  

Molières Werk stieß in der französischen Bevölkerung aber nicht

 

nur auf Bewunderung. Immer wieder löste  er  mit  seinen  Stücken  aufgrund ihrer gesellschaftskritischen und spöttischen Inhalte Kontroversen und Konflikte mit der Kirche und Adeligen aus, die auch an ihm selbst nicht spurlos vorbei gingen. Neben den seelischen Strapazen und der hohen Arbeitsbelastung war Molière gegen Ende seines Lebens bereits schwer lungenkrank. 

1673 brach er während einer Aufführung des Eingebildeten Kranken – er spielte die Hauptrolle – auf der Bühne zusammen, kaschierte aber seine Schmerzen hinter einem erzwungenen Lachen. Das Publikum johlte und applaudierte, da es glaubte, der Schwächeanfall gehöre zur Komödie dazu. Wenig später verstarb Molière in seiner nahe gelegenen Wohnung.

Der Erzbischof von Paris verweigerte dem Schauspieler wegen seines „unehrenhaften“ Handwerks ein kirchliches Begräbnis, welches Ludwig XIV. aber schließlich durchsetze. 

„Der Himmel dürfte aus klimatischer Sicht angenehmer sein als die Hölle. Allerdings vermute ich, dass die Hölle in gesellschaftlicher Hinsicht weit interessanter ist.“