Johanna oder die Erfindung der Nation 

Felix Mitterer, Ehrengast bei unserer Aufführung der Geierwally von Felix Mitterer, 2014

"Genau so stelle ich mir die Aufführung meiner Geierwally vor", sagte er uns nach der Premiere am 25. Juli 2014

Der Autor Felix Mitterer

 

Geboren 1948 in Achenkirch/Tirol, Mutter verwitwete Kleinbäuerin, Vater

rumänischer Flüchtling, adoptiert von Landarbeiterehepaar, aufgewachsen

in Kitzbühel und Kirchberg, 1962 bis 1966 Lehrerbildungsanstalt Innsbruck,

1966 bis 1977 beim Zollamt Innsbruck, seither freier Autor, von 1995 bis

2010 in Irland lebend, ab 2011 im niederösterreichischen Weinviertel.

Unter den 29 Drehbüchern sind "Verkaufte Heimat", "Die Piefke-Saga" sowie

zehn in Tirol gedrehte Folgen der Tatort-Reihe die bekanntesten Fernseharbeiten.

Von den bis dato 44 Theaterstücken sind "Kein Platz für Idioten", "Besuchszeit"

und "Sibirien" bisher am meisten aufgeführt worden.

 

(Murnauer Horváth-Tage, Programmheft 2013)


Jeanne d’Arcs Tod auf dem Scheiterhaufen, Historiengemälde

von Hermann Stilke, 1843

Das Stück

 

Johanna von Orléans

Sie glauben, Sie kennen die sagenumwobene Geschichte von Johanna von Orléans? Vermutlich denken Sie dabei an ein 17-jähriges Bauernmädchen aus Domremy, das die Stimme Gottes zu hören glaubt und dem späteren König Charles VII. von Frankreich vor den Toren von Orleans zum Sieg gegen die Engländer verhilft. In Frankreich wird das Mädchen mit der „Puddingfrisur“ bis heute als Nationalheldin gefeiert. 

Weit gefehlt! In seiner eigenwilligen Adaption wirft Felix Mitterer einen ganz neuen Blick auf den Jeanne d´Arc-Mythos. Dabei spannt er einen Bogen vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Seine Johanna trägt keine Rüstung sondern Motoradkleidung. In scheinbar parallel laufenden Handlungssträngen verknüpft er die altbekannte Geschichte mit einer modernen Johanna, die aufgrund eines Traumas beginnt die Populisten ihrer Zeit zu unterstützen und ihnen an die Macht zu verhelfen. Wie ihr historisches Vorbild muss sie am Ende einsehen, dass sie selbst von ihren Machthabern manipuliert und ihre individuellen Ängste zu politischen Zwecken missbraucht wurden.

Mitterers Stück, das 2002 im Salzburger Landestheater uraufgeführt wurde, ist mit Themen wie Zuwanderungsquoten, Asylgesetze und Ausländerpolitik aktueller denn je.

Im Mittelpunkt steht die Frage wie das Gedankenkonstrukt Nation die Menschen bewegt und warum sich der Mensch so leicht zum Spielball von Mächtigen machen lässt. 

In seiner neuesten Produktion widmet sich das Freie Theater Murnau Mitterers tragischer Heldin auf ihrem Weg von Orléans bis ins Irrenhaus. 


14 Meter unter der Erde Theater spielen - das gab es 

beim Freien Theater noch nie!

 

Folgen Sie uns an einen ungewöhnlichen Ort: in das noch nicht sanierte, ursprüngliche Gewölbe unter der Gaststätte "Zum Murnauer". Das Gewölbe wurde im 19. Jahrhundert als Brauereikeller gebaut. Hier lässt das Freie Theater den Jeanne d´Arc-Mythos aufleben und wirft dabei einen kritischen Blick auf Vorurteile und Fremdenhass.

Im Frühjahr 2018 haben wir mit dem Regisseur Jonas Meyer-Wegener zum ersten Mal das Gewölbe besichtigt und uns spontan entschlossen, diesen unbekannten Ort für unsere Aufführung zu nutzen. Wer weiß, ob hier nicht auf Dauer eine Kleinkunstbühne ihre Heimat finden kann.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und keine Angst: Es gibt eine Heizung, trotzdem empfehlen wir keine Abendgarderobe sondern warme Kleidung und festes Schuhwerk. Schließlich geht es mit "Johanna" ins Mittelalter!